Die
Die
Im Zusammenhang mit dem Blue Hole ploppt immer ein Name auf: Tarek Omar, auch bekannt als „der Knochensammler”. Er hat einen Großteil seines Lebens damit verbracht, das Blue Hole zu erkunden. Er war der Erste, der das richtige tiefe Tauchen entdeckt hat und der Erste der den Tod am Grund des Blue Holes gesehen hat.
1994
»Why the people are going to have fun and die?«
Tarek Omar wuchs in einem Berberdorf an der Grenze zu Libyen auf. 1994 zog er nach Dahab. Kurz nach seiner Ankunft in Dahab begann Tarek mit dem Tauchen. Und zwar aus zwei Gründen: Zum einen war Tauchlehrer ein gut bezahlter Job in Ägypten. Zum Anderen sind seine Nachbarn beim Tauchen verunglückt. Dieser Verlust weckte in ihm den Drang herauszufinden, was passiert ist.
1995
Einstieg ins
Tauchen
In den Jahren 1995 und 1996 widmete sich Tarek zunehmend dem Tieftauchen und begann sich mit den Herausforderungen der großen Tiefen auseinanderzusetzen. Er hat seinen Körper auf 102 Meter Tiefe trainiert, ohne an einer Sauerstoffvergiftung oder einem Tiefenrausch zu leiden.
1996
»There is a God doing fantastic things everywhere«
In den selben Jahren erkundigte Tarek auch zum erstem Mal das Blue Hole. Er war noch Dive Master und tauchte mit zwei weiteren Tauchern. Der Plan sah vor, dass Tarek bis auf 55 Meter tauchte. Als er diese Tiefe erreicht hatte, wollte er allerdings mehr sehen und ging bis auf 82 Meter Tiefe. Er hatte keinerlei Probleme – dafür aber seine Tauchpartner. Voller Sorge packten sie Tarek und zogen ihn hoch.
»And I was very happy this day because this is my first time to see the arch. And how big the arch. And how wide. And how easy we can explore it. Wow. There is a God doing fantastic things everywhere.«
1997
Die erste Begegnung mit dem Tod
Tarek machte eine prägende Erfahrung, als er im Blue Hole auf ein altes Skelett stieß. Als er davon erzählte, hielt man ihn für verrückt und glaubte ihm nicht, dass im Blue Hole möglicherweise Menschen sterben. Erst im November 1997 kam es zu einem Unfall: Zwei irische Taucher, Conor O’Regan und Martin Gara, waren nicht mit ihrer Gruppe aufgetaucht. Tarek fand ihre Leichen in einer umschlungenen Position auf 102 Metern Tiefe und brachte sie sicher an die Oberfläche. Er übernahm diese Bergung, um der Gemeinschaft zu zeigen, was tatsächlich geschah, und wurde auch für zukünftige Bergungen herbeigerufen – als erste Person, die solche Einsätze erfolgreich durchführte.
1998
Into the
deep
Mit 187 Metern Tiefe erreichte Tarek nicht nur seinen schönsten und besten Tauchgang im Blue Hole, sondern brach dabei auch unbewusst den vorherigen Weltrekord von 174 Metern. Jahre später hat er es sogar bis auf 226 Meter Tiefe geschafft.
1999
»Why it should
not be us?«
Tarek gründete „Tec Tribe“ in Dahab – die erste Tauchbasis für das Technische Tauchen. Und zwar nicht nur in Dahab, sondern im ganzen Mittleren Osten. Zuvor hatte niemand in der Region geglaubt, dass es möglich ist, tiefer als 40 Meter zu tauchen.
»I was trying to have the respect of the dead person or the dead diver. And I was trying to delete any stress in my mind to bring them up. What could help me emotionally: My belief in god. The only true fact we know is, all of us are going to die. Why I should be scared or worried or anything of a dead person. I will be scared of the living one.«
Tarek Omar hat mehrere Bergungen im Blue Hole durchgeführt. Für eine Bergung hat Tarek ein festes Prozedere. Um herauszufinden, wie der Verunglückte möglicherweise gesunken ist, muss Tarek wissen, wie dick der Taucheranzug war, wie viel Kilo Blei die Person dabei hatte und wo und auf welcher Tiefe sie zuletzt gesehen wurde.
Wie dick war der
Neoprenanzug?
Wie viel Kilo Blei hatte
die Person dabei?
Wo und auf welcher Tiefe wurde die Person zuletzt gesehen?
Für den Tauchgang wird ein Aufstiegsballon und ein Seil mitgeführt. Tarek taucht ab und sinkt 20 Meter pro Minute bis 100 Meter, da sich die meisten Körper zwischen 100 und 150 Meter befinden. Nun beginnt Tarek zu suchen. Sobald er den Körper gefunden hat, schlingt er das Seil um ihn und bläst Luft in das Tarierjacket des Verunglückten, damit der Aufstieg leichter fällt. Er steigt solange auf, bis er sich auf 50 Meter befindet. Von dort aus schickt er den Körper mit den Aufstiegsballon an die Oberfläche. Tarek selbst bleibt in der Tiefe und befolgt seinen Tauchplan mit den Dekompressionsstopps. Als er endlich die Oberfläche durchbricht, ist der Körper längst abtransportiert.
»All the divers, when they start diving, they always fascinated with the depths. If you watch a beginner, when he is doing the first diving course, of course he always looks at the blue. He wants to know what's going on.«
Bei einer Umfrage von 22 Teilnehmer*innen haben fast 70 % angegeben, „ziemlich viel” oder „sehr viel” von der Tiefe angezogen zu werden.Verschiedene Dinge sind für die Teilnehmer*innen an der Tiefe anziehend.
Neue Herausforderung. Neue Orte. Abenteuer. Grenzen überwinden. Stille. Dunkelheit. Neugier. Selbstentdeckung. Tier und Pflanzenwelt. Einsamkeit und Vertrauen, das wir uns schenken.
Neue Herausforderung. Neue Orte. Abenteuer.Grenzen überwinden. Stille. Dunkelheit. Neugier.Selbstentdeckung. Tier und Pflanzenwelt. Einsamkeit und Vertrauen, das wir uns schenken. Neue Heraus-forderung. Neue Orte. Abenteuer. Grenzen überwinden. Stille. Dunkelheit. Neugier. Selbstentdeckung. Tier und Pflanzenwelt. Einsamkeit und Vertrauen, das wir uns schenken. Neue Herausforderung. Neue Orte. Abenteuer. Grenzen überwinden. Stille. Dunkelheit. Neugier. Selbstentdeckung. Tier und Pflanzenwelt. Einsamkeit und Vertrauen, das wir uns schenken.
Gibt es spezifische Gefahren und Risiken im Blue Hole und ist es aus deiner Sicht gefährlicher als andere Tauchplätze?
Das Blue Hole selbst birgt keine besonderen Gefahren. Die Tauchbedingungen sind einfach: keine Strömung, Schutz vor Wellen, gute Sicht und ein Loch, das von oben nach unten führt — so kann man sich nicht verirren. Die größte Gefahr ist eher der Taucher selbst, durch technische oder psychische Herausforderungen. Insbesondere Taucher, die „the arch“ tauchen, begehen dumme Fehler, sie sind im Geist verflucht. Aber diese Legende über einen verfluchten Ort mit einem Mädchen, das Taucher holt? Alles Quatsch. Es ist ein wunderschöner Tauchspot, ideal für Technisches Tauchen, aber ansonsten ein ganz normaler Tauchplatz ohne außergewöhnliche Risiken.
Was sind deiner Erfahrung nach, die häufigsten Ursachen für Unfälle im Blue Hole?
Beim Gerätetauchen ist der häufigste Grund für Unfälle die Verwendung des falsche Gases — oft wird zu tief mit dem falschen Gas getaucht. Aber was führt die Menschen in solche Tiefen? Häufig sind es eine Reihe menschlicher, psychologischer Fehler, die zu diesen riskanten Entscheidungen führen.
Die allergrößte Gefahr ist ein großes Ego. Einige Taucher denken, wenn sie ein paar Tauchgänge bis 50 Meter gemacht haben, wissen sie alles. Aber Tauchen bedeutet lebenslanges Lernen. Bei jedem Tauchgang, bei dem ich in tiefes Wasser springe, sollte ich mir Gedanken machen.
Zweitens: der Mangel an Wissen. Taucher versuchen nicht, sich zusätzliches Wissen anzueignen.
Nummer drei ist die Überlebenshaltung. Ich erinnere mich an ein gutes Beispiel aus dem Film „Catch me if you can“, das den Kern dieser Haltung sehr gut trifft: Zwei Mäuse fielen in einen Eimer mit Milch. Eine Maus gab auf, ertrank und starb. Die andere kämpfte weiter, bis die Milch zu Butter wurde. Mit der dichten Butter konnte sie schließlich aus dem Eimer entkommen. Übertragen auf das Tauchen bedeutet das: In gefährlichen Situationen müssen Taucher das Problem erkennen, es einschätzen und nach Lösungen suchen — statt in Panik zu verfallen. Diese Haltung kommt mit der richtigen Übung.
Nummer vier: Wenn der Taucher die Grenze zwischen Risiko und Nutzen überschreitet. Es gibt ein arabisches Sprichwort: „Du musst den Nutzen von allem, was du tust, erkennen.“ Das bedeutet, Risiko und Nutzen müssen in Balance sein — idealerweise sollte der Nutzen das Risiko überwiegen. Viele Taucher gehen hohe Risiken ein, ohne zu wissen, warum. Wenn du jemanden fragst, warum er 150 Meter tief tauchen möchte, hat er oft keine Antwort. Wenn du keinen triftigen Grund dafür hast, warum solltest du dann das Risiko eingehen?
Zusätzlich stresst die Geschichte und die Vergangenheit des Blue Holes auch so manche Taucher.
Wo passierten die meisten Unfälle im Blue Hole?
Die meisten Körper wurden zwischen 100 und 150 Meter gefunden — unter „the arch“ oder ein Stück außerhalb im Blauen.
Wie ist die Sicherheits- und Notfallversorgung am Blue Hole und in Dahab?
Für eine Krankenhausbehandlung muss nach Dahab gefahren werden. Das liegt etwa 10 km vom Blue Hole entfernt, teilweise mit einen Weg über Schotterstraßen. Die nächste Dekompressionskammer befindet sich in Sharm el Sheikh, rund 87 km von Dahab entfernt. Früher gab es auch eine in Dahab, diese ist jedoch nicht mehr in Betrieb. Jedes Tauchzentrum folgt klaren Notfallprotokollen: Tauchgänge werden mit Sauerstoff und einem Erste-Hilfe-Set für medizinische Notfälle durchgeführt. Zudem sind alle Tauchlehrer in Erste Hilfe ausgebildet.
»Um Stress abzubauen.«
»Um mich selbst zu fühlen.«
»Ich liebe den Ozean, die Tiere und das Gefühl, unter Wasser frei zu sein.«
»Weil es eine gesunde mentale und körperliche Wirkung auf mich hat und mich lehrt, meine Komfortzone zu verlassen.«
»Weil es mich mit der Natur verbindet.«
»Wegen der Entspannung.«
»Wegen der Freiheit.«
»Wegen der wunderbaren Stille.«
»Weil es das beste Gefühl der Welt ist.«
»Um mehr über den Sport und mich selbst zu lernen.«
»Um nach Ruhe zu suchen und über Gottes Fähigkeiten nachzudenken.«
Das Tauchen ist eine einzigartige Erfahrung, die es ermöglicht, in eine faszinierende Welt einzutauchen und die Schönheit der Unterwasserwelt hautnah zu erleben. Für viele ist es nicht nur ein Sport, sondern eine Quelle der Ruhe und der Verbindung zur Natur. Bei einer Umfrage mit 22 Teilnehmer*innen wurden verschiedene Gründe genannt, warum getaucht wird.
Für das Blue Hole in Dahab existieren keine offiziellen Unfallstatistiken. Erzählungen zufolge wird jedoch ab der Zählung von 1997 von etwa 130 bis 200 vermuteten Todesfällen gesprochen. Im Jahr 2018 wurden weltweit insgesamt 2.069 tauchbedingte Verletzungen und Krankheiten gemeldet. Die Zahl der tödlich Verunglückten liegt bei insgesamt 189.
Plane deine Tauchgänge. Kenne deine Limits. Vermeide Alkohol und Drogen. Tauche niemals krank. Tauche niemals alleine. Bereite dich auf deinen Tauchgang vor. Tauche langsam und kontrolliert ab. Führe regelmäßig und rechtzeitig den Druckausgleich aus. Vermeide Überanstrengung. Lege Ruhepausen ein. Tauche langsam und kontrolliert auf.
Kenne Notfallmaßnahmen.