Der unkontrollierte
Der unkontrollierte
Name
Yuri Lipski
Ort
Dahab, Blue Hole
Datum
28. April 2000
Tiefe
91 Meter
Beschreibung
Am Morgen des 28. Aprils 2000 sichteten Inhaber von Cafés den 24-jährigen Yuri mit Tauchequipment am Blue Hole. Yuri war ein sehr ambitionierter und gebildeter junger Mann mit einer großen Leidenschaft: Dem Gerätetauchen. Er hatte ein großes Ziel: Er wollte mit jemanden im Blue Hole tauchen gehen und das Blue Hole filmen.
Der Weg dorthin war nicht einfach – er war lange auf der Suche nach einen Tauchpartner, der ihn mit seiner Ausrüstung und seiner Qualifizierung in die Tiefe nahm. Nach zwei Stunden Suche fand er schließlich einen ägyptischen Tauchguide und er bereitete seine Kamera vor, bereit für den Abstieg und der Aufnahme eines unvergesslichen Videos.
Yuri war Gerätetaucher. Beim Gerätetauchen, häufig auch Sporttauchen genannt, führt der Taucher eine spezielle Ausrüstung und einen Pressluftvorrat mit sich, um so die Unterwasserwelt für eine längere Zeit erkunden zu können.
Der beim Sporttauchen mitgeführte Pressluftvorrat befindet sich in einer Tauchflasche. Eine Tauchflasche ist ein spezieller Tank aus Aluminium oder Stahl, der dazu dient, Luft unter hohem Druck aufzubewahren. Über den Atemregler versorgt sie den Taucher mit Luft, die beim normalen Sporttauchen in der Regel zu 21 % Sauerstoff und zu 79 % Stickstoff besteht.
Beim Gerätetauchen spielt der Umgebungsdruck eine zentrale Rolle, da er direkten Einfluss auf den Körper und das Verhalten der Gase hat. Unter Druck versteht man eine physikalische Kraft, die auf eine Fläche wirkt. Die gängige Maßeinheit für Druck ist Bar.
Während wir auf der Erdoberfläche einem Luftdruck von 1 Bar ausgesetzt sind, baut sich in der Tiefe Druck auf, welcher Einfluss auf den Körper hat. Pro 10 Meter Tiefe steigt der Umgebungsdruck um 1 Bar. An den meisten Stellen des Körpers sind Druckänderungen nicht spürbar.
Das liegt daran, dass der Körper größtenteils aus Wasser besteht, das unveränderlich ist. Luft hingegen ist veränderlich: Bei steigendem Druck werden Gasmoleküle zusammengedrückt, wodurch das Volumen der Luft sinkt und die Dichte steigt.
Wenn der Umgebungsdruck in der Tiefe steigt, wird die Luft komprimiert, was einen Unterdruck im Ohr erzeugt. Dieser muss ausgeglichen werden, ansonsten kann es zu Verletzungen im Ohr kommen. Beim Gerätetauchen wird die Valsalva-Methode des Druckausgleichs angewandt. Hierbei wird die Luft durch die Nase gedrückt, wodurch sie vom Rachenraum in die Ohren und Nebenhöhlen strömt.
Auftrieb ist eine nach oben gerichtete Kraft, die auf einen Körper im Wasser wirkt und dem Gewicht des verdrängten Wassers entspricht. Es gibt einen positiven, neutralen und negativen Auftrieb.
Der Auftrieb ist positiv, wenn das Körpergewicht geringer als das verdrängte Wasser ist, neutral, wenn es gleich ist, und negativ, wenn es höher ist.
Wenn man beim Tauchen seinen Auftrief kontrolliert, spricht man auch von Tarierungskontrolle. Die Tarierung wird über das Tarierjacket, das Gewichtssystem und die Atmung gesteuert.
Die folgenden Animationen basieren auf Erzählungen, Beschreibungen, Karten und Berichten. Sie stellen den Unfallverlauf und die Umstände möglichst realistisch dar, sind jedoch keine exakte Wiedergabe der tatsächlichen Ereignisse.
Tauchplan
Tauchrealität
Stickstoffnarkose
Yuri tauchte in extreme Tiefen ab und geriet so unter die Wirkung der Stickstoff-narkose, auch als der Tiefen-rausch bekannt.
Sauerstoffvergiftung
Zusätzlich litt Yuri an einer Sauerstoffvergiftung, da er mit normaler Pressluft tauchte und die zulässige Tauchtiefe für sein Gasgemisch überschritt.
Ausrüstug & Tarierung
Zudem hatte Yuri während seines Tauchgangs Probleme mit seiner Ausrüstung und somit auch mit seiner Tarierung.
Yuri tauchte in extreme Tiefen und geriet unter die Wirkung der Stickstoffnarkose, auch Tiefenrausch genannt. Durch den erhöhten Druck unter Wasser reichert sich Stickstoff im Gehirn an, was die Kommunikation der Nervenzellen stört und rauschähnliche Zustände verursacht. An Land wird Stickstoff durch das Ausatmen abgegeben, unter Wasser jedoch nicht. Eine Stickstoffnarkose lässt sich nur durch schnelles Reduzieren der Tauchtiefe behandeln. Faktoren wie Drogen, Alkohol, ZNS-wirksame Medikamente, Angst, Stress und Müdigkeit können den Tiefenrausch verstärken.
Mit dem Martini-Effekt kann sich der Tiefenrausch sehr bildlich vorgestellt werden. Taucher sprechen davon, dass 15 Meter Tiefe die gleiche Wirkung hervorrufen, wie ein Glas Martini.
Yuri litt an einer Sauerstoffvergiftung, weil er mit normaler Pressluft tauchte und die für sein Gasgemisch maximal zulässige Tauchtiefe überschritt. Mit zunehmender Tiefe wird Sauerstoff giftig und kann die Lunge und das Zentralnervensystem schädigen. Die Faustregel lautet: Je höher der Sauerstoffanteil im Gasgemisch, desto geringer muss die Tauchtiefe sein. Bei einer Vergiftung muss der Betroffene schnell auftauchen, die Sauerstoffatmung einstellen und Frischluft zugeführt werden. Künstliche Beatmung ist zu vermeiden. Bei Krampfanfällen muss der Taucher beim Auftauchen geschützt werden. Die Symptome klingen nach einer Stunde Frischluft ab.
Der Körper verträgt maximal 1,6 Bar Sauerstoff. Die maximale Tauchtiefe, bei der dieser Wert erreicht wird, liegt bei 66 Metern. Ab dieser Tiefe wird Sauerstoff giftig. Die maximale empfohlene Tauchtiefe für Pressluft liegt bei 40 Metern.
Zudem hatte Yuri während seines Tauchgangs Probleme mit seiner Ausrüstung und somit auch mit seiner Tarierung.
Yuri hatte für seine Verhältnisse zu viel Gewicht bei sich: Zwölf Kilogramm Blei, die Flasche und die Kamera mit Batterien. Die Menge an Blei, die benötigt wird, variiert. Eine gängige Faustregel zur Berechnung des Bleibedarfes, sind etwa 10 % des Körpergewichts, bei einem dünnen Anzug etwa 5 %.
Während Yuri unkontrolliert sank hat er Luft in sein Tarierungsjacket geblasen. Aufgrund seines schweren Gewichts konnte er allerdings seinen negativen Auftrieb nicht ausgleichen. Schließlich platzte sein Jacket, da es schon voll mit Luft war.